Aktuell lässt die Stadt Gifhorn ein neues Fundament für den Maibaum vor dem Rathaus herstellen. Was für den Fachbereich Tiefbau normalerweise eine Routineaufgabe ist, entpuppte sich jüngst als ganz besonderes Projekt: Tatsächlich öffnet das etwa 2,3 x 2,0 m große und circa 1,5 m tiefe Loch an der Ecke zwischen Cardenap und Marktplatz ein archäologisches Fenster in die frühe Siedlungsgeschichte Gifhorns, denn in rund 1,10 m Tiefe kamen Reste einer alten Straßenbefestigung – eines Knüppeldamms – zum Vorschein.
Eine vom Kreis- und Stadtarchäologen Dr. Ingo Eichfeld gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Heinz Gabriel durchgeführte Untersuchung ergab, dass der alte Weg aus Rundhölzern bestand, die auf einer Packlage von faust- bis kindskopfgroßen Feldsteinen aneinandergereiht waren. Die 9 bis 14 cm dicken Hölzer lagen im rechten Winkel zum Wege-verlauf. Da sich die Enden der Hölzer im Grabungsschnitt überlappten, muss der Weg eine Breite von mehreren Metern gehabt haben. Aus älteren Beobachtungen ist bekannt, dass sich der Knüppeldamm in Richtung Cardenapmühle und Steinweg fortsetzte. Einige schräg liegende Hölzer im jetzt untersuchten Ausschnitt deuten zudem einen Abzweig in Richtung der heutigen Kirche an.
Oberhalb der Rundhölzer befand sich eine rund 40 cm dicke schwarze Schicht, in die neben weiteren Feldsteinen auch allerhand Siedlungsmüll wie Scherben, Hufeisen oder Tierknochen eingelagert war. Darüber lagen weitere Schutt- und Planierschichten. „In gewisser Weise haben sich die Gifhorner auf ihrem Abfall hochgewohnt“, lacht Eichfeld. Die Archäologen freut es, denn die Funde erlauben eine vorläufige Datierung in die Zeit um 1500. „Möglicherweise lassen sich die Hölzer noch genauer datieren. Sie sind schon auf dem Weg ins Labor“, erklärt Gabriel.
Das Fundament wird derweil fertiggestellt. So freuen wir uns am 30. April auf ein ganz besonderes Maibaumaufstellen.