v.l. Karsten Moritz (Leiter Fachbereich Bauverwaltung, Stadt Gifhorn), Torsten Günther (stellvertretender Ortsbrandmeister Gamsen), Uwe Reuß (Ortsbrandmeister Gamsen), Matthias Nerlich (Bürgermeister, Stadt Gifhorn), Babette Kutrib (Leiter Fachbereich Ordnung, Stadt Gifhorn)
Etwas mehr als 13 Monate hat es vom Spatenstich bis zur heutigen Inbetriebnahme gedauert: Jetzt hat die Ortsfeuerwehr Gamsen mit ihrem neuen Domizil an der Straße Zum Luisenhof 2c eine moderne und zukunftssichere Basis für ihre Einsätze und die Mitgliedarbeit. Auf rund 1.270 Quadratmetern Nutzfläche sind künftig die komplette Ausrüstung und Fahrzeuge sowie Material untergebracht. Über 80 Kameradinnen und Kameraden im aktiven Dienst sowie mehr als 80 Mitglieder der Kinder- und Jugendfeuerwehr und der Altersabteilung leben sich hier in den nächsten Tagen und Wochen ein. Das Bauvorhaben wurde mit einem Gesamtbudget von 7,38 Millionen Euro realisiert. Der Neubau war im 2020 aufgestellten Feuerwehrbedarfsplan der Stadt Gifhorn vorgesehen und nach Vorplanungen 2024 in die Umsetzung gebracht worden. Die Öffentlichkeit ist schon jetzt eingeladen, vom 4. bis zum 6. September 2026 während der Festveranstaltung zum 150-jährigen Jubiläum der Gamsener Feuerwehr das neue Haus kennenzulernen.
Die Geschichte der Gamsener Feuerwehr ist eng mit dem bisherigen Standort an der Hamburger Straße verbunden. Hier war sie seit ihrer Gründung zuhause, doch Platz war im 1974 bezogenen Feuerwehrhaus seit langem Mangelware, das Grundstück über die Jahre vollständig bebaut. Für zeitgemäße Umkleiden, eine größere Fahrzeughalle und weitere Anforderungen des heutigen Feuerwehralltags fehlte schlichtweg der Raum. Eine Nutzungsuntersagung von Seiten der zuständigen Feuerwehrunfallkasse als Versicherer drohte.
„Bei allen schönen Erinnerungen an unser bisheriges Feuerwehrhaus sind wir froh, heute ein neues Kapitel aufzuschlagen. Das neue Gebäude schafft mehr Flexibilität, bessere Bedingungen für unsere ehrenamtlichen Einsatzkräfte und eine moderne Umgebung für das, was im Ernstfall zählt: schnell helfen zu können“, sagt Uwe Reuß, seit 2004 Ortsbrandmeister in Gamsen.
Mehr Platz, mehr Sicherheit
Die gibt es nun im Neubau, der in allen Belangen den Vorgaben entspricht und daneben auch den notwendigen Spielraum für künftige Anpassungen bietet. Was es vorher nicht gab: Notstromversorgung, Abgasabsauganlage, Schwarz-Weiß-Trennung, ausreichend Fläche für Stellplätze, Torausfahrten sowie Sanitäranlagen und Umkleiden. „Diese Engpässe gehören für die Feuerwehr Gamsen nun zur Vergangenheit. Das sorgt für mehr Einsatz- und auch Planungssicherheit. Es ist ein starkes Zeichen für die Zukunftsfähigkeit am Standort Gamsen und ein wichtiger Schritt für unsere Feuerwehr Gifhorn insgesamt“, sagt Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich.
Die schlüsselfertige Umsetzung des Baus erfolgte in den vergangenen Monaten durch den Generalunternehmer Baugeschäft H.-H. Ernst GmbH. Nach der Bauabnahme und der Schlüsselübergabe Anfang Mai 2026 startete für die FFW Gamsen mit der Umzugsphase der Endspurt bis zur heutigen Inbetriebnahme des Gebäudes. Neben technischer Ausrüstung und Fahrzeugen über Büro- und Eventmaterial bis zu Pokalen und Ehrenuniformen, die seither in Eigenleistung ins neue Feuerwehrhaus umzogen, geht damit in den nächsten Wochen auch die Auflösung von vier Außenlagern einher. Hier wurden aufgrund des Platzmangels im und am bisherigen Feuerwehrhaus gelagert und mussten bei Bedarf hin- und hergefahren werden.
Nachhaltigkeit im Blick
Parallel zur großzügigeren Fläche und der anforderungsgemäßen Gestaltung der Infrastruktur wurde vor allem auf Nachhaltigkeit geachtet. Das Dach eignet sich mit seiner geringen Neigung als Flachdach für eine Begrünung. Angebracht ist hier auch eine Photovoltaikanlage, deren erzeugter Strom weitestgehend für den Eigenverbrauch bestimmt ist. Im Falle eines Netzausfalls stellt, wie bei den anderen Feuerwehren in den Ortsteilen ein mobiles Notstromaggregat die Versorgung sicher. Die komplette Beheizung ist mit zwei Wärmepumpen abgedeckt.
„Neben einer wirtschaftlichen Bauweise war uns das besonders wichtig. Die Feuerwehr Gamsen soll hier für die nächsten Jahrzehnte eine sichere und gute Ausgangsbasis für ihre Arbeit haben. So gibt es abgesehen von den Außenwänden lediglich eine tragende Wand. Alle anderen Wände wurden in Trockenbauweise erstellt, um für den Fall künftig notwendiger Umbauten eine größtmögliche Flexibilität zu erhalten“, ergänzt Karsten Moritz, Leiter des Fachbereichs Bauverwaltung der Stadt Gifhorn.
Neuerungen im Außen- und Innenbereich
Zu den weiteren Maßgaben für die gestalterische und bauliche Umsetzung zählten Sicherheit, Eindeutigkeit und Komfort. Auf dem Grundstück wurden die Verkehrswege zum Beispiel so geplant, dass keine Kreuzungspunkte zwischen ankommenden Einsatzkräften und ausrückenden Feuerwehrfahrzeugen entstehen. „Das ist ein Plus für die Verkehrssicherheit und gewährleistet einen reibungslosen Ablauf bei den Einsätzen. Das Einbahnsystem findet sich auch im Bereich der Umkleiden, wo Ein- und Ausgänge getrennt sind, um Engstellen und Unfallgefahren zu vermeiden“, erläutert Uwe Reuß. Zeitgemäß ist auch die Lüftungsanlage, die für den Umkleiden- und Sanitärbereich installiert wurde. Zu den weiteren Neuerungen zählen ein barrierefreies WC und fünf Unisex-Toiletten.
Auf Bewährtes setzt hingegen das Farbkonzept des Gebäudes, das in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr entstand. Es greift die markanten und etablierten Farbtöne Feuerwehrrot und Anthrazitgrau auf und findet sich auch in der Möblierung der Schulungsräume und Büros wieder. Im Innenbereich dominieren helle und freundliche Grundfarben.
Ein neues Kapitel wird auch für den Altstandort an der Hamburger Straße aufgeschlagen. Dieser soll gemäß dem Beschluss des Stadtrats vom 30. Juni 2025 im Rahmen einer Konzeptvergabe veräußert werden.
Der Planungs- und Bauverlauf:
- Mai 2024: Erstellung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung mit Stellung des Bauantrages
- Juni 2024: Erstellung der funktionalen Leistungsbeschreibung mit Veröffentlichung der Generalunternehmerausschreibung
- September/Oktober 2024: Beauftragung des Generalunternehmers Baugeschäft H.-H. Ernst GmbH
- Oktober 2024: Start der Erdarbeiten
- April 2025: Grundsteinlegung
- April 2026: Abnahme des Gebäudes
- 29. Mai 2026: Inbetriebnahme des Gebäudes
- bis Herbst 2026: Restarbeiten und finale Herstellung der Außenanlagen
Flächen- und Ausstattungsdaten:
Gesamtgrundstücksfläche: 7.599 Quadratmeter
Nutzfläche innen: 1273 Quadratmeter
Nutzfläche außen: 3221 Quadratmeter
Parkplätze: 45
Einstellboxen: 8 (inklusive zwei Stellplätze für Wechsellader des Landkreises Gifhorn)
Anzahl Einsatzfahrzeuge: 5 (inklusive Wechselladerfahrzeug des Landkreises)
Anzahl Anhänger: 3 (inklusive 1 Wechselladercontainer des Landkreises)
Fläche Umkleiden: 310 Quadratmeter
Fläche Sanitäranlagen: 180 Quadratmeter
Spinde: 111
Duschen: 4
Toiletten: 6 Unisex-Toiletten und erstmals ein barrierefreies WC)
Schulungsraum: 180 Quadratmeter